Aktuelles
Bürgermeister Bernd Bogner lud in der Juli-Sitzung 2022 zu einer Premiere ein: pandemiebedingt fanden alle bisherigen Sitzungen in dieser Wahlperiode in der Happurger Schulturnhalle oder im Kainsbacher Dorfgemeinschaftshaus statt, nun erstmals in dieser Zusammensetzung im Sitzungssaal des Rathauses. Es waren zwei Gäste zur Sitzung eingeladen, ein Zuhörer war anwesend, drei Gemeinderäte waren entschuldigt. Zunächst wurden die Protokolle vorangegangener Sitzungen genehmigt.
Bürgerwindenergie-Projekt per doppelten Beschluss weiter vorangetrieben
Als erster Gast wurde Herr Bromberger von der Firma Wust Wind & Sonne (Markt Erlbach) begrüßt. Es ging um die 2. Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans sowie um die Aufstellung eines Bebauungsplans mit Grünordnungsplan (= „Parallelverfahren“) im Bereich „Sondergebiet Bürgerwindenergie Happurg“.
Bereits am 29.07.2020 wurde das geplante Windrad-Projekt, bestehend aus zwei Anlagen südwestlich von Schupf und Vorderhaslach und nahe der Gemeindegrenze zu Lauterhofen (Ortschaften Traunfeld und Dippersricht), im Gemeinderat vorgestellt. Zudem stimmte am 29.09.2021 der Gemeinderat dem Bauvorhaben zu und leitete das Bauleitplanverfahren ein (Anmerkung: Siehe Berichte zu den beiden Sitzungen unter „Aktuelles“ hier auf dieser Homepage).
Herr Bromberger warb erneut für sein Bürgerwindenergie-Projekt und meinte, dass der Zeitpunkt günstig sei, da die Politik in Berlin und München derzeit solche Projekte beschleunigen will. Es sei sehr sinnvoll jetzt diese Beschlüsse zu fassen, damit möglicherweise noch zum Jahresende mit dem Genehmigungsverfahren beim Landratsamt Nürnberger Land begonnen werden kann.
Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat waren, wie auch in den vorherigen Sitzungen, von dem Projekt überzeugt und positiv gestimmt. Der Gemeinderat entschied sich einstimmig (14:0 Stimmen) für das oben genannte „Parallelverfahren“.
Grundschule Happurg – Aufhebung der Jahrgangsmischung beantragt
Als zweiten Gast begrüßte der Bürgermeister die Rektorin der Grundschule Happurg, Frau Christina Leibold. Seit einiger Zeit wird innerhalb des Lehrerkollegiums, im Elternbeirat und auch in der Elternschaft die Jahrgangsmischung kritisch betrachtet. Auch das Schulamt wurde in alle Vorüberlegungen mit einbezogen und sieht die Entwicklung in Happurgs Grundschule ebenfalls mit Sorge.
Das Konzept der „Flexiblen Grundschule“ wurde vor zehn Jahren als neues pädagogisches Konzept in Form eines neuen Schulprofils eingeführt. Im kommenden Schuljahr müssten aufgrund der Schülerzahlen aus drei existierenden 3/4 Kombiklassen zwei Kombiklassen gebildet werden, nach ein paar Jahren könnte die Entwicklung wieder hin zu drei Klassen gehen. Durch den Wechsel zur Zweizügigkeit und aufgrund der vorherrschenden Unzufriedenheit innerhalb der gesamten Schulfamilie will man nun die Chance nutzen, die Jahrgangsmischung ganz aufzuheben.
Bedauerlicherweise überwiegen mittlerweile die Nachteile dieses Konzeptes, da sich die Rahmenbedingungen verschoben hätten, so die Ausführungen von Frau Leibold. Die wesentlichen negativen Veränderungen der letzten Jahre hier in Stichpunkten:
- Zunehmende Verschlechterung der Lernsituation für die Kinder
- Rückgang an Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, die neu in jahrgangsgemischten Klassen unterrichten
- Allgemeiner Lehrermangel
- Auffüllen der jahrgangsgemischten Klassen über die Teilungsgrenze von 25 Schüler („Kann-Bestimmung“, tatsächlich Erhöhung bis zur Klassenteilungsgrenze von 28 Schülern)
- Drastischer Rückgang an Lehrerstunden zur individuellen Differenzierung und Förderung
- Hoher Erfolgsdruck für Schüler durch Übertritt in der 4. Jahrgangsstufe, mit negativen Auswirkungen auf 3. Jahrgangsstufe
- Jährlich neue Zusammensetzung der Klasse führt zu Schwierigkeiten bei der Bildung einer Klassengemeinschaft
- Höhere Belastung für junge Lehrkräfte, dadurch hoher Personalwechsel im Kollegium
- Häufig einhergehender Wechsel der Klassenlehrkräfte für die Kinder
- Keine langfristige Personalplanung möglich
- Zusammenarbeit an einem konstanten pädagogischen Konzept an der Schule sehr schwierig
Es gebe auch deutliche Vorteile bei der Rückkehr zu jahrgangsreinen Klassen:
- Langfristige Senkung der Klassengrößen möglich
- Verbesserung der Lernbedingungen durch kleinere Klassen
- Organisatorische Vorteile
Durch die Rückkehr zu jahrgangsreinen Klassen würden jedoch einige Vorzüge verloren gehen:
- Wegfall der flexiblen Verweildauer in den ersten zwei Schuljahren der „Flexiblen Grundschule“ (1, 2 oder 3 Schuljahre)
- Reduktion der Stundenzahl der Förderlehrkraft
Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile in der Lehrerkonferenz (29.06.22) und Beratung im Elternbeirat (05.07.22), welche beide einstimmig für die Aufhebung des Schulprofils „Flexible Grundschule“ mit jahrgangsgemischten Klassen plädierten, kam der Gemeinderat nach kurzer Diskussion ebenfalls zum einstimmigen Beschluss (14:0 Stimmen), dem Wunsch der Schulleitung zu folgen und das Profil aufzugeben. Der Schulleiterin und dem Bürgermeister zufolge müsse der Antrag so bald wie möglich über das Schulamt auf den Weg gebracht werden. Schlussendlich wird das Bayerische Kultusministerium über den Antrag befinden. Dies könne noch eine Weile dauern, so Leibold abschließend. Im Falle einer Ablehnung bliebe im kommenden Schuljahr vorerst alles beim Alten.
Bauanträge
Folgende Bauanträge wurden behandelt:
- Errichtung eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage und Carport in Happurg;
- Zwei (identische) Anträge auf Vorbescheid zur Errichtung einer Doppelhaushälfte mit Doppelcarport und Stellplatz in Happurg;
Der Gemeinderat genehmigte die Bauanträge einstimmig (14:0 Stimmen).
Sonstiges
Der Bürgermeister informierte über folgende Themen:
Es werden demnächst Asphaltarbeiten im Gemeindegebiet ausgeschrieben. Es handelt sich um ein ganzes Maßnahmenpaket, überwiegend um Teilstücke in Förrenbach, in Happurg und in Aicha (Richtung Mittelburg). Die Planungen für den Straßenausbau im Baugebiet „Bocksäcker“ in Schupf laufen derzeit. Durch die RZWas (= Regionalzuweisungen Wasserbaumaßnahmen) erhält die Gemeinde einen Förderbetrag in Höhe von 441.000,- Euro für den Bau der Kanaldruckleitung für das Thalheimer Abwasser nach Förrenbach. Die Baumaßnahme war mit 650.000.- Euro Kosten veranschlagt. Mit der Begrünung des Happurger Marktplatzes soll zunächst um die Linde herum begonnen werden. Alle weiteren Pflanzmaßnahmen erfolgen dann im Spätsommer. Am Kühbrunnen in Happurg soll eine Wanderwegetafel errichtet werden, so ähnlich wie vor dem Rathaus in Hersbruck. Am Mittwoch, 03. August wird es an der neuen Kläranlage Thalheim für die dortige Bevölkerung einen „Tag der offenen Tür“ geben. Der Erlös aus der Einweihungsfeier für den Happurger Marktplatz (10./11. September) soll gespendet werden.
Jörg Kirschner, Fraktionssprecher