Mögliches weiteres Standbein in der Wasserversorgung - Derzeit lotet die Gemeinde Happurg in Gesprächen mit der HeWa Hersbruck aus, ob ein Teil des Gemeindegebietes mit Hersbrucker Wasser mitversorgt werden kann.
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01.11.2023
Wasserversorgung und Gigabitausbau

In der Oktobersitzung standen interessante Themen auf der Tagesordnung. Bürgermeister Bernd Bogner begrüßte die Mitglieder des Gemeinderats (3 Räte entschuldigt), zwei geladene Gäste sowie ein paar Zuhörer. Die Protokolle wurden einstimmig genehmigt.


Wasserversorgung – Weiterer Verbund mit HeWa?

Der Bürgermeister und der Tiefbauingenieur i.R. Manfred Raum, der für die Gemeinde Happurg beratend tätig ist, gaben einen Sachstandsbericht über die Wasserversorgung im Gemeindegebiet ab. Es ergeben sich nämlich aus der aktuellen Situation heraus neue Verbundmöglichkeiten.

Die beiden Tiefbrunnen in Alfeld, die für die Happurger Wasserversorgung ebenfalls relevant sind (Abnahmemenge der Gemeinde Happurg ca. 45.000 Kubikmeter pro Jahr), müssen sehr kostenaufwändig saniert werden. Dies war der Anlass für Gespräche der Gemeinde Happurg mit dem Wasserwirtschaftsamt, der Gemeinde Alfeld und der Marktgemeinde Lauterhofen (Notverbund der Gemeinden Alfeld und Happurg mit der Wasserversorgung über die Pettenhofener Gruppe). Zusätzlich mit am Verhandlungstisch saßen Vertreterder HeWa Hersbruck.

Laut Wasserwirtschaftsamt machen Klimawandel, Trockenheit und rückläufige Quellschüttungen im nordbayerischen Raum größere Verbünde in der Wasserversorgung notwendig. Die Möglichkeit, sich in Notlagen oder auch bei vorübergehenden Sanierungsfällen von Wassergewinnungsanlagen gegenseitig auszuhelfen, macht darüber hinaus Sinn. Während der Dauer der Alfelder Brunnensanierung wäre die Gemeinde Happurg mit Wasser unterversorgt, weshalb eine zusätzliche, leistungsfähige Versorgung ratsam wäre, so Manfred Raum.

Die Wasserabnahmemenge Happurgs von den Alfelder Tiefbrunnen reicht aus, um das „obere Gemeindegebiet“ (Thalheim, Gotzenberg, See und Schupf) mit Wasser zu versorgen. Dies ist in etwa auch die Menge an Wasser, die im Falle eines Stör- oder Ausfalles der Alfelder Brunnen im Notverbund aus der Pettenhofener Gruppe bezogen werden kann. Die Ortschaften im „unteren Gemeindegebiet“ (Happurg, Kainsbach, Förrenbach) können dann aber durch die Förrenbacher Quelle nicht ganz abgedeckt werden.

Hier kommt die HeWa aus Hersbruck als heimischer Wasserversorger ins Spiel. Relativ einfach und mit überschaubaren Investitionskosten könnte vom Baugebiet Hersbruck-Haid eine Wasserleitung entlang der „Alten Straße“ heraus nach Happurg verlegt werden. Übergabepunkt des Hersbrucker Wassers aus eigenen Gewinnungsanlagen der HeWa (mit Notrückversorgung aus der Riegelsteingruppe) wäre in Happurg an der alten Kläranlage in der Wiesenstraße, von dort aus entlang der Hohenstädter Straße hinein ins Dorf zum Einspeisepunkt am „Alten Waaghäusl“. Diese Leitung könnte den Hauptort Happurg und weitere Ortschaften mitversorgen, die generell allesamt zentral vom Hochbehälter in Reicheneck versorgt werden. Für die Investionen gäbe es für die Gemeinde Happurg Zuschüsse vom Wasserwirtschaftsamt. Die Lieferung des Wassers würde mit der HeWa über einen festen Wasserpreis für eine garantierte Abnahmemenge erfolgen.

Mit der HeWa hätte man einen starken Partner an der Seite, der absolut fair, zuverlässig und in der Wassergewinnung breit aufgestellt sei. Die Verhandlungen verliefen bis jetzt sehr vielversprechend, so Bogner. Außerdem sei nach Einschätzung von Ingenieur Raum ein Verbund mit der HeWa fast alternativlos. Eine vorab veranlasste Verträglichkeitsprüfung über die Mischbarkeit der verschiedenen Wässer fiel positiv aus.

Die Räte nahmen dies zur Kenntnis. Erster und zweiter Bürgermeister, Bauverwaltung, Wasserwart und Ingenieur Manfred Raum werden die Verbundmöglichkeit mit Hersbruck in Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt weiter ausloten. Man werde zudem die Entwicklungen über die Sanierung der Alfelder Brunnen sowie die Kostenbeteiligung daran weiter im Blick behalten.


Örtliche Rechnungsprüfung – Entlastung erteilt

Gemeinderat Jürgen Kohl, Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses (bestehend aus fünf Vertretern aller drei Fraktionen des Gemeinderates), stellte die Ergebnisse der örtlichen Prüfung der Jahresrechnungen für die Haushaltsjahre 2020 und 2021 (Corona-Jahre) vor.

Dabei war der Abgleich der Jahresrechnungen mit den jeweiligen Haushaltsplänen ein Prüfschwerpunkt.

Im HH-Jahr 2020 wurden zudem schwerpunktmäßig Abrechnungen zum Neubau des Förrenbacher Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus unter die Lupe genommen. Hier gab es keine relevanten Auffälligkeiten. Die Kostenabweichungen waren allesamt nachvollziehbar.

Im HH-Jahr 2021 wurden ähnliche Vorgänge zur Abrechnung der Sanierung der Ortsdurchfahrt Happurg als größte Baumaßnahmen der Gemeinde geprüft und für nachvollziehbar befunden.

Ein paar kleinere Handlungsbedarfe an die Verwaltung sah der RPA jedoch als gegeben an und sprach entsprechende Empfehlungen aus. Gleichzeitig bedankte sich der RPA-Vorsitzende bei der Verwaltung für die gute Kooperation und Aufarbeitung.

Der Gemeinderat sorgte auf Empfehlung per einstimmigem Beschluss (13:0 Stimmen) für die Entlastung von Bürgermeister und Verwaltung.


Edelweißhütte – Jurten für Schüler und Jugendseminare

Das Jugendfreizeitwerk Bayern will in Verbindung mit dem Kreisjugendring Nürnberger Land auf der Grünfläche unterhalb der Edelweißhütte (Bolzplatz) als Alternative zu den maroden und bereits abgerissenen Holzhütten drei Jurten errichten: 2 Schlafjurten mit einem Durchmesser von 9 Metern und 1 Versammlungsjurte mit 12 Metern Durchmesser. Die Höhe soll jeweils 3,90 Meter betragen. Gegründet werden sollen die Jurten (ohne Wasser- und Sanitäranschlüsse) auf geschotterten Flächen. Sie sollen mit einem Holzboden versehen werden. Die zeltähnlichen Behausungen sollen in Holzrahmenbauweise errichtet und mit textilem Stoff bespannt werden. In den Schlafjurten sollen Holzöfen nachts für Wärme sorgen.

Der Brandschutz muss jedoch noch durch das Landratsamt geprüft werden. Auch die Übergabe der Wasserversorgung hierfür soll am Deckersberger Ortsrand erfolgen. Die Abwasserbeseitigung liegt beim Bauwerber, so der Genehmigungsbeschluss des Gemeinderats (14:0 Stimmen).


Markterkundung – Flächendeckend Gigabit-Breitband

Herr Schmiofski, Elektrotechniker von der Fa. IK-T aus Regensburg, stellte dem Gemeinderat die Ergebnisse der Markterkundung (28.07. – 23.09.23) vor, die die Gemeinde im Sommer in Auftrag gegeben hatte. Hintergrund ist die Beteiligung der Gemeinde Happurg am Gigabit-Förderverfahren des Freistaates Bayern zur Verringerung von weißen und grauen Flächen in der Breitbandversorgung.

Die „BayGibitR“-Verfahrensrichtlinien laufen bis 31.12.2025. Solange erhalten Kommunen auf dem Land, die ihre Breitbandversorgung flächendeckend ausbauen, 90 Prozent Zuschuss für eine maximale Investitionssumme von 6 Millionen Euro. Förderfähig sind demnach Ausbaugebiete und Straßen mit weniger als 30 Mbits und Haushalte mit Bandbreiten zwischen 30 und 100 Mbits.

Das Ergebnis der Markterkundung war erfreulich. Bis auf wenige Ausnahmen und kleinere Ortschaften (z.B. Aicha und Gotzenberg), die bereits mit leistungsfähigem Breitband erschlossen sind, können ziemlich alle unterversorgten Haushalte im Gemeindegebiet mit Hochleistungsglasfaser erschlossen werden.

1.370 Adressen im gesamten Gemeindegebiet besitzen bereits ein schnelles Internet. Förderfähig sind 1.113 Adressen (30-100 Mbits) und 53 Adressen (< 30 Mbits), verteilt über die Ortschaften, die bis dato schlecht versorgt sind (Kupferleitungen). 204 Adressen sind nicht förderfähig.

Sollte es zum Ausbau kommen, wird es nur noch Glasfaserleitungen und keine „Kupferzwischenstrecken“ mehr mit Geschwindigkeitsverlusten geben, so Schmiofski. Für private Haushalte sind dann bis zu 200 Mbits symmetrisch (sowohl im Download als auch im Upload) möglich, für Gewerbebetriebe besteht die Möglichkeit zu 1 GB (ebenfalls symmetrisch). Bislang haben die beiden Netzbetreiber Telekom und bisping&bisping Interesse an einem eventuellen Ausbau bekundet.

Nun kann die Gemeinde Happurg die Erschließungsgebiete festlegen und 2024 könnte geplant und ausgeschrieben werden. Nach der Vergabe und dem Kooperationsvertrag mit dem dann ausgewählten Netzbetreiber könnte es ab 2025 zum schrittweisen kompletten Glasfaserausbau kommen, so der Experte. Unwägbarkeiten hinsichtlich der Baupreise bestehen grundsätzlich immer, die Gemeinde habe aber zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens die Möglichkeit, den Ausbau in Teilbereichen zu reduzieren und anzupassen um den Kostenrahmen einzuhalten, so Schmiofski abschließend.

Diese Chance auf flächendeckenden Breitbandausbau mit so hohen Zuschüssen wolle man sich nicht entgehen lassen, so die einhellige Meinung im Gemeinderat. Das Verfahren wird weiter vorangetrieben.


Berichtswesen

Bürgermeister Bernd Bogner informierte:

Mit den „Rechtler-Wäldlern“ aus den Ortschaften See, Gotzenberg und Aicha finden derzeit Gespräche statt. Die Weitergabe der Bewirtschaftungsgebühren an die Rechtler wurden unterschiedlich aufgefasst. Vielleicht können die Rechtler durch gezielte Bewirtschaftung der gemeindeeigenen Rechtlerwaldgrundstücke Gewinne zur Gegenfinanzierung der Gebühren erzielen. Dies werde demnächst ausgelotet.

In der Kainsbacher Straße in Happurg tut sich gerade viel. Es wurde stellenweise Asphalt abgefräst, der Bauhof setzt Wasserrinnen neu und die Fa. bisping&bisping verlegt Breitbandkabel. Am 21. November soll neu geteert werden.

Die Grundschule erhält neue Möbel eines günstigeren Herstellers, nachdem die Kosten für die Möbel eines anderen Herstellers zu hoch erschienen. Die neuen Möbel hätten sich in der Grundschule in Hersbruck ebenfalls bewährt und wurden von der Schulleiterin für ausreichend und gut empfunden.

Im Landkreis ist die Aufnahme von immer mehr Asylbewerbern ein Thema. Viele müssen den Kommunen bereits zugewiesen werden. Happurg mit aktuell 50 Asylbewerbern leiste im Vergleich zu anderen Gemeinden bereits einen wichtigen Beitrag, so Bogner.

Das Windräderausbauverfahren mit der Fa. Wust Wind & Sonne zwischen Schupf und Traunfeld wird fortgesetzt.

Das Planfeststellungsverfahren für die Sanierung des Pumpspeicherkraftwerks Happurg läuft noch. Der Spartenleiter für Wasserkraftwerke des Uniper-Konzerns, Herr Damm, zeigte sich in der jüngsten Kreistagssitzung erneut sehr zuversichtlich, dass das Kraftwerk saniert werde. Ein Resultat der konzerninternen Entscheidung werde zum Jahresende erwartet.

Deckersberg hat sich für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ beworben. Eine Jury wird sich sehr zeitnah im Ort umschauen und eine Bewertung vornehmen.

Demnächst finden die sechs Bürgerversammlungen in den einzelnen Ortschaften statt. Es ergeht herzliche Einladung.

In Schupf habe man eine Befragung hinsichtlich der Neunummerierung von Häusern und der Namensgebung von Straßen durchgeführt. Näheres wolle man demnächst in der Schupfer Bürgerversammlung mit den Bewohnern besprechen.

 

Jörg Kirschner, Fraktionssprecher