Projektinitiative - Die Fa. Wust Wind & Sonne GmbH & CoKG aus Markt Erlbach stellte im Gemeinderat ihr geplantes Bürger-Windenergieprojekt zwischen Schupf, Traunfeld, Dippersricht und Vorderhaslach vor.
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05.08.2020
Bürgerwindkraft und Kanalüberleitung

Zu Beginn der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause verabschiedete Bürgermeister Bernd Bogner die sieben ausgeschiedenen Gremiumsmitglieder (siehe gesonderter Bericht). Die Sitzung (zwei Räte entschuldigt) fand wegen des Hygiene- und Abstandsgebots erneut im Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus Kainsbach statt. Es waren nur wenige Zuhörer anwesend.

Information über Bürger-Windenergieanlagen

Herr Wust und Herr Paulus von der Fa. Wust Wind & Sonne GmbH u. CoKG aus Markt Erlbach (Lkr. Neustadt-Aisch/Bad Windsheim) stellten ein mögliches Bürger-Windenergieprojekt für die Gemeinde Happurg vor.

Es besteht aus zwei Windkraftanlagen des Typs Vestas V162 (jeweils 250m Gesamthöhe, 169m Turmhöhe, 162m Rotordurchmesser, 5.600 KW Nennleistung) im dafür in Frage kommenden  „Poolgebiet“ einer 70 Hektar großen Fläche innerhalb der Vorbehaltsfläche WK34 (Regionalplanung) nahe der Autobahn A6, zwischen den zur Happurger Gemeinde zählenden Ortschaften Schupf (Abstand 1900m) und Vorderhaslach (1700m) sowie den zur Marktgemeinde Lauterhofen gehörenden Ortschaften Traunfeld (1200m) und Dippersricht (1000m), jedoch auf Happurger Gemeindegebiet.

Der erzeugte Strom würde in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Die EEG-Vergütung wäre auf 20 Jahre garantiert, die durchschnittliche jährliche Rendite für Anteilseigner läge bei 5%. Die Gesamtkosten für das Projekt würden ca. 17,2 Mio. Euro betragen, ähnlich wie bei den zwei bereits im Betrieb befindlichen Anlagen bei Eismannsberg/Altdorf. 20% davon würden durch Bürgerbeteiligung finanziert (ca. 3,5 Mio. Euro), der restliche 80 prozentige Kapitalanteil läge bei regionalen Banken. Einlagen für Bürger wären ab 5.000,- Euro möglich, wobei nach dem „Zwiebelschalenprinzip“ verfahren werde, so die Experten. Die Anteilseigner sollten aus der Gemeinde und der näheren Umgebung kommen. Der jährliche Ertrag einer Windkraftanlage läge bei ca. 500.000,- Euro Gewinnausschüttung. Innerhalb der Laufzeit von 20 Jahren würden pro Windkraftanlage ca. 250.000,- Euro an Gewerbesteuer für die Gemeinde abfallen (= Regionale Wertschöpfung). Es müsste eine Betreibergesellschaft (Rechtsform: GmbH & CoKG) dafür gegründet werden, die z.B. ihren Sitz im Rathaus hat. Die Anteilseigner (= Kommanditisten) hätten direkte Mitbestimmung. Als Gesellschafter würde Hr. Wust selbst auftreten und für alle Risiken aufkommen, wie z.B. für Reparaturen oder längere Betriebsausfälle. Er würde sich um die gesamte Projektierung, Planung, Finanzierung, um den Bau, Betrieb, Unterhalt und die Wartung (und ggf. Entsorgung nach dem Laufzeitende, falls keine weitere Nutzung vorgesehen ist) kümmern. Der Eingriff in die Natur wäre relativ gering (nur ca. 4.000 Quadratmeter Flächenverbrauch).

Wust und Paulus schlugen zum Schluss folgende Vorgehensweise vor:  1. Die Gemeinde bekundet ihren Willen (Bürger-Windkraftanlagen ja oder nein), 2. Bürgerinformationsveranstaltungen in den betroffenen Ortschaften, 3. Grundstückseigentümerversammlung(en), 4. Aufstellen eines Bebauungsplanes durch die Gemeinde, 5. Prüfung durch die zuständigen Behörden des Landkreises Nürnberger Land (und des benachbarten Landkreises Neumarkt), 6. Gründung der Bürgerwindenergie Happurg GmbH & CoKG, 7. Projektstart;

Bürgermeister Bogner und die Gemeinderäte wollten sich noch nicht festlegen. In einer der nächsten Sitzungen wolle man sich noch einmal damit beschäftigen. Bis dahin sollten sich die Fraktionen darüber im Klaren sein, ob man diesen Weg gemeinsam beschreiten möchte.

Kanalüberleitung Thalheim-Förrenbach

Erneut war die Auflassung der Thalheimer Kläranlage mit der damit verbundenen geplanten Überleitung des Abwassers über Förrenbach nach Hersbruck Thema des Gemeinderates, diesmal jedoch abschließend (Anmerkung: Ausführliche Schilderung des Sachverhalts siehe Bericht zur Gemeinderatssitzung vom 23.10.2019 hier auf dieser Homepage, ebenfalls unter „Aktuelles“).

Bürgermeister Bogner holte noch einmal weiter aus, da sieben Gemeinderäte neu im Gremium sind. Er schilderte die Notwendigkeit dieser Baumaßnahme vor dem Hintergrund einer komfortablen Zuschusssituation und nannte noch einmal alle Vorteile. Die Zuschussanträge wurden bereits gestellt. Zwar lägen derzeit noch keine Förderbescheide vor, jedoch sei nach Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg demnächst mit einem entsprechenden Bescheiderlass zu rechnen. Da es sich im Wesentlichen um eine Kanalbaumaßnahme handle, greife die RZWas (= Regionalzuweisung für Wasser- und Kanalbaumaßnahmen). Diese laufe ab 2021 ab, danach müsse mit Förderkürzungen gerechnet werden, so Bogner.

Die Summe der geschätzten Kosten für den Kanalbau Thalheim-Förrenbach liegen bei 1.088.000,- Euro. Insgesamt ist mit Fördergeldern in Höhe von 602.000,- Euro zu rechnen, was einen Kostenanteil für die Gemeinde in Höhe von 486.000,- Euro bedeutet. Zwar sei dies eine große Summe für die Gemeinde Happurg, jedoch wisse man nicht, wie lange und in welche Höhe überhaupt in dieser Krisenzeit staatliche Zuschüsse für derartige Projekte noch gewährt werden. Da der Wasserrechtsbescheid für die Kläranlage Thalheim im Jahr 2025 auslaufe und teure Sanierungsarbeiten anstehen, zudem durch turnusgemäße Klärschlammbeseitigung hohe Betriebskosten anfallen, sei es nun dringend an der Zeit, die Auflassung der Kläranlage zu realisieren und die Abwässer in die zentrale Kläranlage nach Hersbruck überzuleiten. Dies spare außerdem Betriebskosten.

Tiefbauingenieur Manfred Raum vom Happurger Planungsbüro Reeder & Raum erläuterte die weiteren notwendigen Baumaßnahmen in diesem Zusammenhang, nämlich den Umbau das Thalheimer Klärbeckens in ein Regenüberlaufbecken und den Neubau eines Pumpwerkes für die rd. 2,5 km lange Druckleitung, ebenso den Einbau von Entlüftungsschächten in der Flur zwischen Thalheim und Förrenbach. Auch sei ein Bodengutachten erforderlich gewesen, auf dessen Ergebnis man noch warte. Um das Abwasser sicher und störungsfrei nach Hersbruck überleiten zu können, seien nach Raums Auffassung auch noch der Austausch der Pumpen und die Sanierung der Drosseleinrichtungen am Überleitungsschacht Kainsbach/Stausee erforderlich.

Summa summarum für Kanal Thalheim-Förrenbach, Pumpwerk, Regenüberlaufbecken inklusive weitere Baumaßnahmen (wie oben beschrieben) 1.500.000,- Euro, davon 898.000,- Euro förderfähig.

Per einstimmigem Beschluss (15:0 Stimmen) wurde der Bürgermeister ermächtigt, nach dem Erhalt des Förderbescheides die Ausschreibungen durchführen zu lassen. Mit den Baumaßnahmen soll in 2021 begonnen werden. Bestandteil der Förderung ist der Abschluss und die gesamte Abrechnung des Bauprojekts bis Ende nächsten Jahres.

Bauanträge

Folgende Bauanträge wurden einstimmig (15:0 Stimmen) genehmigt:

  • Erweiterung eines bestehenden Wohnhauses in Kainsbach;
  • Ausbau eines Dachbodens in einem Einfamilienhaus in Happurg (nachträgliche Genehmigung);
  • Erweiterung einer bestehenden Maschinenhalle in Aicha;
  • Neubau einer Gerätehalle mit Hackschnitzelheizung und –bunker in Deckersberg;
  • Nutzungsänderung mit Umbau eines Gebäudeteiles eines ehem. Gasthofes mit Scheune in 2 Wohneinheiten in Schupf;
  • Antrag auf Vorbescheid über die Erweiterung einer Hoffläche mit Neubau einer Lagerhalle mit Bürogebäude und einer Hackschnitzellagerhalle in Thalheim. Besonderheiten: Splittersiedlung im Außenbereich, Flächennutzungsplanänderung notwendig, gesonderte Prüfung und Stellungnahme des Landratsamtes erforderlich;
  • Errichtung einer Balkonüberdachung in Förrenbach;

Berichtswesen

Bernd Bogner informierte den Gemeinderat über folgende Themen:

In Kooperation mit der Gemeinde Alfeld konnte trotz Corona-Bestimmungen ein abwechslungsreiches Ferienprogramm mit 31 Veranstaltungen angeboten werden. Es wird bislang gut angenommen. Die Straßensanierungsarbeiten in Happurg in der Grabenstraße gestalteten sich schwieriger und aufwändiger als angenommen. Im Pommelsbrunner Weg in Happurg wird die Straße ebenfalls teilsaniert, in Verbindung mit der Verlegung des Breitbandanschlusses für die Schule. Sowohl beim Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus Förrenbach als auch beim Anbau am Kindergarten Happurg ist ein guter Baufortschritt zu verzeichnen. In Förrenbach ist bereits mit dem Innenausbau begonnen worden, in Happurg befindet man sich noch im Rohbau. Für das geplante Dorfgemeinschaftshaus in Deckersberg (ehem. Dreschhalle) wurden nun die Zuschussanträge gestellt, die Ausschreibungen für die Umbaumaßnahmen sind fast fertig. Fertigstellungstermin und Einweihung soll zur Deckersberger Kirchweih 2021 sein. Demnächst findet eine Sitzung des Bau- und Umweltausschusses statt.

Sonstiges

FWG-Gemeinderat Hans Laurer fragte nach dem momentanen Sachstand zum Weiher in der Ortschaft See. Laut Bogner sei dieser womöglich ein Förderfall im Rahmen des „Hüllweiher-Projektes“ ("Hüll" = fränkisch/oberpfälzisch für "Dorfweiher", diente früher als Viehtränke und zu Löschzwecken) des Landkreises Nürnberger Land. (Hintergrundinfomation: Der Seer Dorfweiher verliert Wasser und müsste neu abgedichtet werden.)

Bei einem Wasserdurchlass am Stauseeweg fehlt die Absturzsicherung. Der Bauhof werde sich dies ansehen und gegebenenfalls instandsetzen.

 

Jörg Kirschner, Fraktionssprecher